Überschreitung der Trettachspitze

Überschreitung der Trettachspitze 02/03.08.2026 – eine luftige Angelegenheit

Diesen Gipfel hatten wir bei früheren Besuchen im Allgäu schon oft im Blick gehabt, jetzt sollte es endlich wahr werden: die Überschreitung der Trettachspitze (2595 m), nicht ganz zu Unrecht als „Allgäuer Matterhorn“ bezeichnet, zusammen mit Mädelegabel und Hochfrottspitze Teil des Allgäuer Dreigestirns.

Zu sechst ging es morgens in Richtung Oberstdorf. Nach dem Parken an der Fellhornbahn folgte der lange Hüttenaufstieg über Einödsbach zum Waltenberger Haus. Erholung am Nachmittag, gutes Abendessen, ein schöner Sonnenuntergang und die Übernachtung in der vor knapp 10 Jahren neuerrichteten Hütte rundeten den ersten Tag ab.

Am nächsten Morgen ging es früh los, denn für den Nachmittag waren Gewitter angesagt. Nach einem eineinhalbstündigen Zustieg durch die schattigen Kare unterhalb der Mädelegabel standen wir schließlich am Bergfuß. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Nach der üblichen Suche nach dem Einstieg zum NO Grat fanden wir einen schönen alpinen Felsgrat im II. bis III. Schwierigkeitsgrad. Fester Fels, sichere Kletterei, tolle Ausblicke nach rechts und links in das Stillach- und Trettachtal, für alle Teilnehmenden ein tolles Erlebnis.

Fast überraschend standen wir am Gipfelkreuz, wir hatte mit größeren Schwierigkeiten gerechnet. Bei warmem und windstillem Bergwetter konnten wir eine lange Pause auf dem Gipfel vor dem Allgäuer Bergpanorama machen.

Es folgte ein spannender, aber auch langer und bei schwieriger Wegfindung mühsamer Abstieg über den NW Grat, so dass wir an die alte Weisheit erinnert wurden, dass die Besteigung eines Berges erst am Bergfuß endet. Weiter ging es talwärts über die Blumenwiesen und Grashänge von Wildengund- und Spätengundkopf nach Birgsau, wo uns leider kein Kaiserschmarren, den wir uns als Belohnung aufgespart hatten, serviert werden konnte.

Zum Schluss drei wichtige Erkenntnisse eines wunderschönen Tourenwochenendes:

Bettwanzen erobern das Allgäu: „Nichts mitbringen, nichts mitnehmen“. Kaum hatten wir die Terrasse des Waltenberger Hauses betreten, verschwitzt und müde vom 4 stündigen Aufstieg in der Sonne, in Gedanken beim ersten Durstlöscher, wurde jedem von uns eine riesige, verschließbare Plastiktüte im Tausch gegen 3 Euro in die Hand gedrückt, in die unsere Rucksäcke verstaut werden mussten, bevor wir die Hütte betreten durften.

Wegschilder nicht wörtlich nehmen: „Alpiner Steig – nicht unterhalten“ (Aufschrift auf dem Wegweiser direkt hinter der Hütte in Richtung Trettachspitze). Entsprechend schweigsam zogen wir am nächsten Morgen in Richtung Trettachspitze, das vermeintliche Unterhaltungsverbot gehorsam beachtend. Bis der Weg plötzlich in ein steiles Schutt- und Schneefeld auslief: keine erkennbare Wegführung, alles rutschig und in Bewegung. Schlagartig wurde uns die Doppeldeutigkeit des Wortes „unterhalten“ bewusst, und laut schimpfend brachten wir diesen Wegabschnitt hinter uns.

Anweisungen im Kletterführer befolgen: „Beim Abstieg immer auf dem Grat bleiben, nicht in die Wand ausweichen“. Wir standen plötzlich an einem 50 Meter Überhang, waren gottfroh über zwei entsprechend lange Seile und durften eine luftige Abseilfahrt genießen, nachdem wir zuvor allerdings kräftig ins Schwitzen gekommen waren.

Ein schönes und kurzweiliges Tourenwochenende liegt hinter uns, an das wir uns gerne zurück erinnern werden. Vielen Dank an Achim, der die Tour wie immer super ausgesucht, geplant und geführt hat.