Skitouren in Schnalstal und Ötztal

Am frühen Freitagmorgen starteten wir zu viert voller Vorfreude auf das Tourenwochenende in Ebingen, unser Führer Andy mit an Bord. Die Anreise ins Schnalstal in Südtirol wurde nur von einer obligatorischen Stärkung beim Arlberger Bäck unterbrochen. In Kurzras schnallten wir unsere Ausrüstung an und stiegen zunächst aufgrund fehlender weißer Unterlage entlang der Kunstschneebänder auf. Der Wind war rau, der Himmel bedeckt, der Regen wurde stärker, und trotz der Wetterkapriolen konnten wir dem netten Südtiroler Carabinieri nicht entwischen. Also ging es neben die Piste, und einige Höhenmeter später – als der Regen in Schnee überging – wechselten wir auf die extra eingerichtete Spur für Tourengeher. Die erste Nacht auf der Hütte „Schöne Aussicht“ bot uns trotz des unruhigen Wetters eine gemütliche Rast, inklusive Saunagang und für eine Schutzhütte ziemlich noblen Speisen.

Am frühen Samstagmorgen zeigte sich der Himmel deutlich freundlicher, und damit stieg auch die Vorfreude auf den Aufstieg: Über den Hochjochferner gelangten wir zu den Finailköpfen. Die ursprünglich geplante Überschreitung der Finailspitze (3.514 m) von Südwesten ließen wir aufgrund des noch starken Windes aus. Stattdessen führte uns Andy nach einer tollen morgendlichen Abfahrt zielsicher Richtung Ostgrat der Finailspitze, den wir ab dem Skidepot mit Steigeisen und Pickel meisterten – die Sonne begrüßte uns schließlich am 3.514 m hohen Schnalstaler Gipfel. Der Abstieg führte uns über einen Zwischenstopp an der Ötzi-Fundstelle am Tisenjoch zu einem ausgiebigen Sonnenbad, bevor wir weiter zur Similaunhütte gingen, wo wir gegen 15 Uhr bei strahlendem Himmel gemeinsam auf einen gelungenen Tag anstießen.

Am Sonntagmorgen um 8:30 Uhr brachen wir zum Similaun-Gipfel auf. Über den Normalweg auf dem Niederjochferner erreichten wir den Gipfelanstieg und schnallten die Ski wegen der geplanten Überschreitung auf den Rucksack, anstatt sie am Skidepot zu belassen – diesmal war der Himmel etwas bedeckt. Am Gipfel wich die anfängliche Freude schnell einer gewissen Ernüchterung, als wir den schneearmen Osthang begutachteten. Der Abstieg zu Fuß war entsprechend mühsam. Doch als wir schließlich den Grafenferner erreichten, genossen wir die Abfahrt über den Gletscher bis auf etwa 2.900 m Höhe. Mit vereinten Kräften suchten wir eine Linie durch die größtenteils aperen und schneefreien Moränen, um noch einige Schwünge im weichen, nassen Frühjahrschnee zu ziehen. Auf etwa 2.500 m war dann endgültig Schluss mit dem Skifahren, und gedanklich wurden aus den Skitourenschuhen kurzerhand Wanderschuhe für den rund 900 Höhenmeter umfassenden, weglosen Abstieg ins Pfossental. Der guten Laune tat das Ganze nur ein- oder zweimal kurzzeitig einen Dämpfer, als wir bemerkten, dass unter dem Schnee im steilen Bachbett noch Blankeis lauerte. Danach wurden die Hänge zunehmend grüner, und um 13:30 Uhr erreichten wir die Jägerrast, wo uns ein gemeinsamer Kaiserschmarrn die verbrauchten Energiereserven wieder auffüllte, bevor uns ein Taxi nach Vernagt zu unserer Unterkunft brachte.

Am Montag entschieden wir uns aufgrund des angekündigten Schneefalls, direkt nach dem Frühstück und einem kurzen Besuch im Kuhstall von Markus, die Heimreise anzutreten. Die Weißkugel wird wohl noch mindestens eine Saison länger auf uns warten müssen – aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.