Skitouren im Ahrntal

Mit einem schwierigen Winter 2026 hatte man sich heuer auseinanderzusetzen, schneearm zunächst, mit schlechter Verbindung zum spät und nur sporadisch   gefallenem Neuschnee, somit viele Schwachschichten im Schneeaufbau, die das Tourengehen lawinenseits enorm herausfordernd machte.

So sollte es auch beim Erkunden eines neuen Skitouren Terrains sein, dem Südtiroler Ahrntal in welches man von Bruneck über Sand in Taufers bis zum Talschluss nach Kasern gelangt. Das nette, in die Jahre gekommene aber gutbürgerliche Berghotel Kason sollte unser Stützpunkt sein.

Und ob der eingangs beschriebenen Lawinenlage brauchten wir Plan B, der da hieß: wenn gar nichts geht switchen wir auf Langlaufski und nehmen diese als Backup mal mit, Platz ist ja genug im gemieteten Bussle.

Die Wetterlage verspricht stabil zu bleiben die nächsten Tage, so auch bei der Anfahrt am Mittwoch, bei der wir aber angesichts der Lawinensituation keine Zwischentour machen können.

Angekommen nach obligatorischem Bäcker Ruetz Einbremser, packen die jungen Wilden und der junggebliebene Blondgelockte samt ebensso dynamischem Ebinger Knochendoktor gleich noch die Langlaufski und Skaten in den Abend hinein der untergehenden Sonne entgegen.

Doch Roland und Andy wären nicht Andy und Roland wenn sie nicht nach sorgfältiger Vorbereitung, Gesprächen mit Tourenleitern anderer Gruppen die schon vor Ort sind doch noch machbare Touren aus den dort vielfältigen Möglichkeiten herausfiltern, die der Risikosituation gerecht werden.

So führt uns nach einem an nichts fehlendem Frühstück der Weg direkt vom Berghotel auf die Südseite auf zunächst steilem und kurz kehrigem Waldaufstieg weiter auf Forstwegen hinaus sodann auf eine Alm. Hier beginnt die Freifläche und wir begutachten zunächst unter Schnee- und Lawinensituation die Lage, ja verändert aber machbar auf den Archbühel.

So ziehen wir unsere Spuren einsam und genussvoll hinauf im glitzernden Spiel der weißen Pracht gepaart mit dunkelblauem Himmel und der gleißenden Sonne die da schon die Frühjahrsmuskeln spielen lässt und uns einigen Schweiß abringt.

Oben an unserem Ziel dem 2414 hohem Archbühel entscheiden wir keinen Schritt weiter auf die höheren Berggipfel zu gehen, das lässt die Lawinensituation einfach nicht zu.

Und wieder zurück an der Alm, heißt es: Andy ist weg!!, Roland baut eine LVS Übung ein die wir als solche zunächst nicht registrieren und naja...  stark begonnen nachdem einer das Kommando übernimmt, aber Ablauf meeehr als ausbaufähig... und wenn im Ernstfall dann noch der Stress hinzukommt... das heißt üben, üben, üben bei jeder sich bietenden Situation. Und nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Schreiber die Skiern abnahm um in die Feinsuche zu gehen, und dabei ein Ski sich hoplahop talabwärts macht trotz Skibremse, weg war er. Roland sei dank, der ihn kurz vor knapp im Wald irgendwo an einer Wurzel verfangen wiederfindet, das wird natürlich bei free - Kuchen und Kaffe - Lunch später auf der Berghotel Terrasse abgefeiert.

Abends füllen wir die leeren Kalorienspeicher mit vorzüglichem Dreigängemenü, Nachtisch vom Büfett, klar Tiramisu geht immer, danach Mousse au Chocolat... ach was soll’s: Panacotta muss auch noch rein. Schlechtes Gewissen? Nö!

Auch an den weiteren Tagen sind Touren mit jeweils 1100 bis 1200 hm möglich, am Freitag auf die rd. 2500hm hohe Blauspitze, in anderer Exposition, ein längeres sanft ansteigendes und weniger schon der frühern Sonneneinstrahlung ausgesetztes Tal nach hinten und dann linker Hand hoch, mit sodann auch schönen Abfahrtshängen die wir frisch verspuren können. Am Samstag wählen wir wieder die Südseite, das Hundskehljoch in etwa auf gleicher Höhe mit 2500hm, und sogar am Sonntag gibs noch ne Tour auf die Steger Alm, 3 von uns wählen nach 500hm den Einkehrschwung, der Rest macht sich noch auf den 330hm höheren Golatsch, die Abfahrt war dann doch aufgrund der frühen Stunde etwas bissig hart.

Wer hätte es gedacht, dass wir aufgrund der lawinnengefährdeten Ausgangslage im neuen Terrain im Ahrnthal zu 4 Skitouren kommen, Mann... und ein Frau... das hat sich aber gelohnt, zumal der Wettergott ja ohnehin uns hold war.

Toll, dass unsere Guides Andy und Roland sich immer wieder neue Skitourenziele setzen und mit uns der nimmersatten bergrünstigen Meute erkunden.

Aber so richtig schee war’s !!

Michael Heim