Kaiserliches Wetter, grandiose Bergpanoramen, phänomenale Abfahrten und einige Lehrstunden, die von einer großen Portion Humor umrahmt wurden, prägten die mehrtägige Skitour durch die Silvretta mit Oli und Richy.
Bis zur Vorbesprechung war noch unklar, ob die Tour überhaupt stattfinden konnte, da in den Wochen zuvor größere Schneemengen gefallen waren. Erst einige Telefonate mit den Hüttenwirten brachten Klarheit über die zunächst ungewisse Lawinenlage in den Bergen. Eine Besserung der Situation wurde prognostiziert, sodass schließlich grünes Licht für unser gemeinsames Vorhaben gegeben werden konnte.
Tag 1:
Der Start in unsere mehrtägige Tour verlief untypisch entspannt, was die Uhrzeit anbetraf, da in der Regel bereits früh morgens in die Berge aufgebrochen wird. In unserem Fall legten wir um kurz vor acht in Winterlingen ab. Zuvor sammelten wir unseren zweiten „Schafhirten“ Ritchy „Eismaschine“ Kimpel noch ein. Angesteuert wurde Partenen im Montafon. Von dort wurden die ersten Höhenmeter mit der Vermuntbahn bewältigt, gefolgt vom Bus-Shuttle, das uns direkt vor dem Madlener Haus austeigen ließ.
Dort angekommen wurde fix das Lager bezogen und auf der Sonnenterasse das erste isotonisch-hopfenhaltige Kaltgetränk verköstigt. Bis zum Abendendessen blieb noch genügend Zeit, die wir nutzten, um uns für die anstehenden Tage warm zu machen, den Rost von den Skikanten zu fahren und Fähigkeiten, neudeutsch „Skills“, die zum Skitouren benötigt werden, wieder aufzufrischen. Ausgezeichnete Lehrmeister hatten wir schließlich in unseren Reihen. Von der Orientierung mit Karte über Gehtechnik und das Anlegen einer Aufstiegsspur bis hin zur Beobachtung der Wolkenbildung, sowie vielen weiteren bereichernden Themen haben auf der Tour Ihren Platz gefunden. Zurück zu unserer Aufwärmrunde, die von unserem Basislager zunächst zum Silvretta Stausee führte, gefolgt von einer kurzen Abfahrt auf der Piste. Wir hielten uns etwas rechts und visierten das Bieltal unterhalb des Hennekopfs an. Aufgestiegen wurde, bis wir unseren zeitlichen Umkehrpunkt erreicht hatten. Nach einer kurzen Stärkung und dem ersten Einsatz von Ritchies Drohne, die wir auf den Namen „eisernen Albatros“ getauft haben, ging es auf den Rückweg. Dieser verlief entlang derselben Route, über die wir ins Tal aufgestiegen waren. Zum Ärgernis wurde jedoch der Schnee, mit dem wir auf der Abfahrt konfrontiert waren: hart und stark zerfahren. Bereits am ersten Tag forderten die Bedingungen ihr erstes Opfer. Eine der Teilnehmenden verdrehte sich beim Sturz das Knie, womit die weiteren Tage leider unbestreitbar wurden.
Zurück am Madlener Haus wurden wir kulinarisch bestens versorgt, in Form eines ausgezeichneten 4-Gänge-Menüs. Auch unser vegetarischer Teilnehmer kam dabei auf seine Kosten und musste keineswegs hungrig zu Bett gehen. Der Abend klang mit dynamischen UNO-Partien aus, bei denen so manches Fingergelenk an seine Belastungsgrenze kam. Dennoch verliefen die Spiele stets fair und sorgten für große Unterhaltung. Gut gestärkt und bestens gelaunt legten wir uns schließlich zur Ruhe, um am nächsten Tag den Weg zur Wiesbadener Hütte in Angriff zu nehmen.
Tag 2:
Nach einer wunderschönen Anreise und einem perfekten Aufenthalt im Madlerhaus machten wir uns auf den Weg zur Wiesbadener Hütte. Anfangs bewölkt wurde es immer besser und bei blauem Himmel zeigte uns Oli den Rutschblocktest. Eine sehr interessante Erfahrung, wie schnell der Block bricht, wenn die Schneedecke nicht gut verbunden ist. Je weiter wir anstiegen desto besser wurden die Schneebingungen. Eine kleine Gruppe drehte nochmals um und genoss eine kleine Pulverabfahrt. Mit strahlenden Augen kamen die Jungs wieder ob an. Weiter machten wir uns auf den Weg zur Hütte. Die Pulverabfahrt hat sich als richtig erwiesen, denn die Abfahrt auf der anderen Seite war sehr harschig und anstrengend. Dafür haben wir den Kaffee und Kuchen und die anderen Leckereien sehr genossen.
Tag 3:
Der Tag 3 sollte ein Gipfeltag werden. Jedoch musste sich die Gruppe trennen. Das Duo, das von Ritschy angeführt wurde, hatte sich als Ziel die Dreiländerspitze vorgenommen. Letztendlich erreichte unter erschwerten Bedingungen nur Ritschy den Gipfel. Auf der Dreiländerspitze war die Sicht deutlich besser als auf dem Piz Buin.
In der zweiten Gruppe führte Oli die Mannschaft über den Ochsentalergletscher bis hin zur Buinlücke. Diese Stelle wurde als Skidepot genutzt, und Emi, der erfahrene Alpinist, übernahm die Führung. In den ersten Schritten wies er die Rookies Paul und Leo in die Bedienung der Steigeisen und Eispickel ein. Nachdem sich die beiden mit ihrem Material vertraut gemacht hatten, ging es im kombinierten Gelände weiter Richtung Gipfel.
Durch das zunehmend diesige Wetter machte Oli Druck und scheuchte uns mehr oder weniger auf den Piz Buin. Er machte zudem deutlich, dass es auf dem Gipfel kein längeres Verweilen geben würde, sodass Emi auf seine Frikadellen verzichten musste. Genauer ausgedrückt, Zitat Oli: „Nauf, Foto machen und schee isch gsei.“
Des Weiteren konnte den beiden jungen Paul und Leo zur ersten Besteigung eines Winter 3000ers gratuliert werden.
Da bekanntlich das Abklettern anspruchsvoller ist als das Hochklettern, wurde die Gruppe an den zwei Schlüsselstellen durch Emi gesichert bzw. abgeseilt. Zurück am Skidepot wurde dann der ganze Krempel wieder im Rucksack verstaut – mit leichten Verzögerungen durch Captain Slow. Die Abfahrt über den Gletscher gestaltete sich knifflig, da die Sicht in der Zwischenzeit nicht besser geworden war.
Als weiter unten schließlich der Gletscher verlassen werden konnte, wurde die Sicht wieder besser. Die weitere Abfahrt verlief ohne große Vorfälle. Vor dem Gegenanstieg zurück zur Wiesbadener Hütte gab Oli uns ausreichend Zeit, sodass Emi doch noch seine Frikadelle vernichten konnte.
Vor der Hütte wartete dann bereits das Duo von der Dreiländerspitze auf die Truppe vom Piz Buin.
Tag 4:
Wie jeden Morgen versammelte sich die ganze Mannschaft zum Frühstück um 7 Uhr, um dann gegen 8 Uhr zur Tour aufzubrechen.
Bis auf den Ochsentaler Gletscher begann unsere heutige Tour identisch wie die am Vortag, nur bogen wir diesmal früher ab, in Richtung Silvretta Horn. Während wir Anderen bei Erreichen des Skidepots auf Steigeisen und Pickel wechselten, entschied sich Bernd dazu auf uns zu warten und die Sonne vom Skidepot aus zu genießen. Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir dann das weitläufige Gipfel-Panorama bewundern.
Für den Wechsel auf die Schweizer Seite entschlossen wir uns für die lawinensicherere Variante und nahmen so zwei Gegenanstiege in Kauf. Die Mühe lohnte sich aber absolut, da wir so eine lange Abfahrt über den Silvretta Gletscher mit bestem Schnee genießen konnten.
Auf der Silvrettahütte angekommen, wurden wir sehr freundlich, aber auch besorgt empfangen, da wir dort erst um 17 Uhr eintrafen. Nach reichhaltigem Abendessen, wurden wie jeden Abend die UNO-Karten ausgepackt und bis zur Nachtruhe gespielt.
Tag 5:
Von der Silvrettahütte aus war das klare Ziel, um 16 Uhr am Vermuntstausee anzukommen, da von dort der letzte Bus/Gondel ins Tal fuhr. Der Auftakt führte über die Rote Furka mit einer maximalen Steigung von 39 Grad – ein anspruchsvoller Beginn. Die anschließende Abfahrt war vermutlich die beste der gesamten Rundtour: traumhafte Bedingungen und herrliche Schwünge.
Der zweite Anstieg Richtung Liznersattel war der letzte der Tour – und genau so fühlte er sich auch an. Noch einmal alle Kräfte mobilisieren, bevor es endgültig talwärts ging. Zu Beginn der letzten Abfahrt stieß Helmut wieder zu uns, nachdem er das Auto zurückgebracht hatte, mit dem zuvor der erste Tourausfall versorgt worden war.
Die Abfahrt war erneut großartig, zumindest bis etwa 2300 Meter. Dort begann Bruchharsch, der die Bedingungen zunehmend erschwerte. Leider kam es in diesem Abschnitt zu einem weiteren Unfall, sodass ein Gruppenmitglied nicht mehr weiterfahren konnte. Der Abtransport per Hubschrauber nach Schruns verlief reibungslos. Wir wünschen ihm alles Gute und eine rasche, vollständige Genesung.
Der Unfall ereignete sich lediglich etwa einen Kilometer vor der Bushaltestelle. Die Bushaltestelle wurde um 15:30 Uhr erreicht, sodass die Gruppe anschließend mit dem Bus und der Vermuntbahn zurück ins Tal fahren konnte.
Insgesamt legte die Gruppe in fünf Tagen 62 Kilometer zurück und bewältigte knapp 5000 Höhenmeter – eine beeindruckende Leistung.
Fazit: Eine wunderschöne Tour mit großartiger Organisation und hervorragender Führung. An den Führungsqualitäten gibt es nichts auszusetzen. Die nächste Tour ist praktisch schon gebucht.
Grüße geht raus an die schneidigen Burschen Oli und Rischy